Walk over – Kapitel 9 – Teil 1

Und zieh den Bauch ein“, tadelte Tricia unfreundlich. „Kinn hoch. Und guck nicht so verbissen.“
Eve sah sie genervt an.
„Ich soll doch nicht lächeln“, erinnerte sie. Tricia verdrehte die Augen.
„Zwischen nicht lächeln und deiner Schnute liegen Welten!“
„Sei nicht so streng mit ihr“, lachte Milow, der belustigt im Türrahmen stand, während Tricia Eve den Tunnel auf und ab marschieren ließ.
„Bei so einem Getrampel werden die keine Sekunde zögern und sie erschießen wie einen“, fing Tricia an, bis Milow ihr entschieden ins Wort fiel:
„Niemand wird hier erschossen.“
„Sonst noch etwas?“, Eve blieb gelangweilt stehen. Sie glaubte nun verstanden zu haben wie ein GOM zu gehen hatte. In etwa so wie ein Storch mit Stock im Po.
„Probiere dir vorzustellen, du wärst aus Glas. Dein Körper wäre unglaublich zerbrechlich und kostbar. Bewege dich nur so viel wie unbedingt nötig und versuch es“, Tricia überlegte eine Sekunde. „Wie ein Grashalm im Wind. Oder eine Meereswelle. Weich und fließend. Nicht wie ein fallender Stein.“
„Ein fallender Stein?“, Milow sah sie fragend an.
„Eine Metapher“, Tricia verdrehte ihre violetten Augen, bevor sie erschrocken herum fuhr. Sie atmete erleichtert aus, als sie Tristan erkannte.
„Tristan!“, rief Eve erleichtert. Er war vor Stunden verschwunden und hatte sie mit seiner Schwester allein gelassen, die anscheinend den Ehrgeiz hatte aus einer ranzigen Reservatsratte einen steifen Storch zu formen.
„Eve?“, er zog lediglich eine Augenbraue hoch, während er aus mehreren Metern Abstand zu ihr herüber sah.
„Was hast du die ganze Zeit gemacht?“, fragte sie neugierig, bevor sie lächelnd näher trat.
„Erstens sollst du nicht lächeln“, mahnte er unfreundlich. „Und zweitens geht es dich nichts an.“

Published in: on April 6, 2010 at 9:43 vormittags  Kommentare (6)  
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