„Viele dieser Untergrundbahntunnel und Haltestellen sind noch erhalten, wenn auch teilweise verschüttet. Es gibt Kanalisationen, Keller und sogar alte Minen- und Bergwerksschächte. Dort haben Menschen früher unter anderem Kohle zum Heizen abgebaut“, erklärte er rasch, als er Eves fragenden Blick bemerkte. „Es ist als hätten die Menschen Löcher und Gänge gebaut und sie irgendwann einfach vergessen. Manche von ihnen sind gefährlich. Viele Gänge sind einsturzgefährdet oder gar mit radioaktivem Müll vollgestopft und bis heute verstrahlt. Vielleicht erklärt das die sechsbeinigen Ratten und das sich besonders viele Mutanten hier unten aufhalten. Vielleicht sind sie auch einfach hier, weil sie hier niemand stört. GOMs kommen nie in den Untergrund, Menschen nur, wenn sie sehr verzweifelt sind. Im Normalfall wirst du hier geboren und du stirbst hier unten. Den einzigen, denen Dreck und Strahlung nichts ausmacht sind die Bots.“
„Gibt es denn viele Roboter hier unten?“, hakte Eve zweifelnd und ein wenig nach Luft schnappend nach.
„Einige. Aber wie bei allem und jedem gibt es auch hier jene und solche. Viele Humanoide, die sich der Botschaft nicht unterwerfen wollen, suchen hier unten nach einer sicheren Zuflucht. Es gibt ein paar Petsies, also Haustierbots. Einige von ihnen sind angenehme Gesellschafter. Weniger angenehme Gesellschaft bieten die Wächterbots. Sollte sich einer von hier unten hin verirren, liegt deine 5-Minutenüberlebensprognose bei etwa 1:10.000.“
„Das klingt wenig verlockend“, gestand Eve zweifelnd.
„Deswegen sagte ich ja, dass man sich stets umgucken sollte, bevor man den Untergrund betritt. Lockst du Wächterbots in den Untergrund hinab dürfte deine Überlebenschance bei 1:100.000 liegen.“
„Wieso?“, fragte Eve irritiert, als sie endlich auf dem Geröllberg angekommen war.
„Weil dich der nächstbeste Untergrundbewohner aus Dank erschießen wird“, erklärte Tristan knapp und streckte die Hand aus, um Eve auf der anderen Seite des Geröllhaufens wieder hinunter zu helfen.
„Übrigens: Wenn du in einem der Gänge in den Tunneln kleine Lichter blinken siehst, dreh am besten sofort um“, riet er verschwörerisch.
„Warum?“, Eve ergriff Tristans Hand und versuchte vorsichtig auf den losen Gesteins- und Betonbrocken nach unten zu schliddern, ohne gänzlich den Halt zu verlieren.