Walk over – Kapitel 9 – Ende

Die Stimme war ihr fremd. Eve schluckte und wollte vorsichtig nicken, als sie einen brennenden Schmerz am Hals spürte.

„Keine Bewegung“, zischte der Fremde. Eve versuchte auf das Etwas an ihrem Hals zu blicken sah jedoch nur den Ansatz eines Handgelenks, das irgendetwas umklammerte. Sie spürte, wie die Hand von ihrer Schulter langsam zu ihrem Hals wanderte. Ihr lief ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter, als die Hand fand, was sie suchte. Für den Bruchteil einer Sekunde verschwand die Hand, bevor Eve wie elektrisiert auffuhr. Sie kannte das Gefühl, das nun von ihrem Genick ausging. Und sie hasste es. Eine schmerzhafte Gänsehaut kroch langsam über ihren Körper, bis sie plötzlich nach innen umschlug und sich als unangenehmes Kribbeln in ihrem Körper ausbreitete, das sich schließlich in ihrem Genick ausbreitete und in ihr Gehirn aufstieg. Als sie schließlich das Gefühl hatte ihr Gehirn müsste gleich niesen endete es abrupt.
Ihr wurde schwarz vor Augen.

Published in: on April 13, 2010 at 6:23 vormittags  Kommentare (2)  
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Walk over – Kapitel 9 – Teil 3

Als sie an die erste Abzweigung kam war sie für den Bruchteil einer Sekunde versucht absichtlich den falschen Weg einzuschlagen, musste aber einsehen, dass sie davon nichts hatte. Sie wusste ohnehin nicht was genau sie sich von ihrem kleinen Ausflug versprach, aber sie brauchte dringend ihre Ruhe. Tricias überhebliche Art war anstrengend und nagte an ihrem Selbstbewusstsein, von dem sie die Hälfte anscheinend auf der Flucht aus dem Reservat zurück gelassen hatte. Sie schüttelte entschieden den Kopf, als die Bilder der Flucht sich zurück in ihr Bewusstsein drängten. Wenn sie wollten, dass sie wie ein eingebildeter Storch stolzierte, würde sie ihnen den Gefallen tun. Auch auf Lächeln würde sie verzichten. Es war ohnehin Verschwendung von Energie.

Eve sah das Licht schon aus einiger Entfernung, erfreut rannte sie die letzten Meter, bis sie die von Tristan erwähnte Steintreppe erreichte. Helles Tageslicht fiel in den dunklen Tunnel herab und erleuchtete die Stufen zur Freiheit. Zwei der massiven Stufen auf einmal nehmen rannte sie die Treppe hinauf und blieb geblendet an ihrem Ende stehen. Mit geschlossenen und vor Helligkeit tränenden Augen wandte sie sich dem Himmel zu. Warmes Sonnenlicht wärmte ihre Nase, ein leichter Wind fuhr durch ihre Haare. Sie öffnete die Augen, als sie einen Vogel kreischen hörte. Wenn sie sich nicht vollkommen irrte, rauschte in der Nähe Wasser. Sie sah sich rasch um. Die Treppe endete in einer Ruine aus hellen Steinen. Vorsichtig watete sie über die Steine hinweg und erblickte in einiger Entfernung eine grüne Wiese. Hinter der Wiese begann nach einem schlammigen Streifen Erde das weite Meer. Das helle Sonnenlicht brach sich in den Wellen, blendete sie.
Als sie den Schutt endlich hinter sich gebracht hatte schritt sie vorsichtig durch das weiche Gras bis sie den kühlen Schlamm erreichte. Ab und zu umspülte eine besonders große Welle ihre Füße. Überwältigt von dem Anblick des unendlichen Meeres blieb sie eine Zeit lang reglos stehen. Sie versuchte zu erkennen wo der Horizont ins Meer überging, beobachtete die tanzenden Wellen, sah einem vorüber fliegenden Vogel nach und ertappte sich dabei wie sie einem Krebs zu lächelte, der an ihrem Fuß vorbei eilte. Nach dem sie sich flüchtig umgesehen hatte trat sie zurück ins Gras, entledigte sich der Baumwollkleidung und watete fast andächtig in das kühle Nass. Ab und zu kitzelte sie etwas unter den Füßen. Es dauerte einige Zeit, bis das Wasser so tief wurde, dass sie schwimmen musste. Um sie herum war weit und breit nicht mehr als unendliches Wasser. Sie fühlte sich klein und unbedeutend. Und sie genoss es.

Als Eve später am Strand aufwachte und fröstelte, zog sie sich rasch ihre Sachen über. Ihre Haare waren immer noch feucht. Seufzend setzte sie sich ins Gras und beobachtete, wie die Sonne langsam am Horizont unterging und den Himmel Farbtone zwischen rosa und orange tauchte. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wann sie zuletzt etwas derart schönes gesehen hatte. Auch als die Nacht herein brach und sie ihren Baumwollmantel enger um sich zog dachte sie nicht eine Sekunde daran zurück zu gehen. Es gab nichts, außer vielleicht ihrem knurrenden Magen, was sie in die unnatürliche Dunkelheit mit ihren seltsamen Bewohnern zog.

Sie dachte gerade über ihre Eltern nach, als sie ein eigenartiges Geräusch hörte, reagierte jedoch zu spät. Bevor sie etwas machen konnte, spürte sie etwas hartes an ihrer Schulter, etwas eiskaltes lag an ihrem Hals.
„Es wäre besser du bewegst dich nicht“, mahnte eine männliche Stimmte.

Published in: on April 11, 2010 at 9:24 vormittags  Kommentare (5)  
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Walk over – Kapitel 9 – Teil 2

Eve blinzelte. Sie brauchte sich keine große Mühe zu geben das Lächeln in ihrem Gesicht sterben zu lassen.
„Verstehe“, sie nickte während sie die Zähne zusammen biss. Selbstverständlich ging es sie nichts an. Sie war lediglich Zaungast im Untergrund. Ein Lamm auf dem Weg zur Schlachtbank.
„Könntest du dir genau diesen Gesichtsausdruck merken?“, trällerte Tricia übertrieben fröhlich.
Eve sah sie eine Sekunde an, bevor sie verbissen nickte. Nichts leichter als das. Umgeben von Wesen die sie gerade so duldeten, gefangen in tiefster Dunkelheit fragte sie sich ohnehin, worüber sie vor kurzem noch gelächelt hatte. Sie hatte das dringende Bedürfnis für einen Moment allein zu sein. Und vor allem brauchte sie eine Pause von Tricias Lehrstunde.
„Wie weit kann ich in diese Richtung gehen, bevor es gefährlich wird?“, hakte Eve nach und deutete in den dunklen Gang hinter sich.
„Wenn du stets geradeaus gehst und nirgends abbiegst kommt du nach einem halben Tag an eine Steintreppe, sie führt in eine überirdische Ruine. Wenn du aufpasst sollte dir nichts passieren. Allerdings solltest du die Ruine nicht verlassen“, erklärte Tristan mit gleichgültiger Miene.
Eve nickte. Offensichtlich hatte er nichts dagegen, dass sie sich alleine die Beine vertrat.
„Kann ich ein Licht haben?“, fragte Eve. Tricia sah sie einen Moment abschätzend an, bevor Tristans Leuchtstab klirrend vor ihre Füße fiel.
„Viel Spaß“, sagte er schlicht, bevor er ohne ein weiteres Wort im Inneren des kleinen Lagers verschwand. Eve schnappte sich den Leuchtstab, marschierte ohne ein weiteres Wort in die Dunkelheit.
„Sollte ich sie vielleicht begleiten?“, hörte sie Milows besorgte Stimme hinter sich.
Sie hörte nicht mehr ob und was Tricia antwortete, aber es war ihr auch egal.

Published in: on April 7, 2010 at 5:02 nachmittags  Kommentare (2)  
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Walk over – Kapitel 9 – Teil 1

Und zieh den Bauch ein“, tadelte Tricia unfreundlich. „Kinn hoch. Und guck nicht so verbissen.“
Eve sah sie genervt an.
„Ich soll doch nicht lächeln“, erinnerte sie. Tricia verdrehte die Augen.
„Zwischen nicht lächeln und deiner Schnute liegen Welten!“
„Sei nicht so streng mit ihr“, lachte Milow, der belustigt im Türrahmen stand, während Tricia Eve den Tunnel auf und ab marschieren ließ.
„Bei so einem Getrampel werden die keine Sekunde zögern und sie erschießen wie einen“, fing Tricia an, bis Milow ihr entschieden ins Wort fiel:
„Niemand wird hier erschossen.“
„Sonst noch etwas?“, Eve blieb gelangweilt stehen. Sie glaubte nun verstanden zu haben wie ein GOM zu gehen hatte. In etwa so wie ein Storch mit Stock im Po.
„Probiere dir vorzustellen, du wärst aus Glas. Dein Körper wäre unglaublich zerbrechlich und kostbar. Bewege dich nur so viel wie unbedingt nötig und versuch es“, Tricia überlegte eine Sekunde. „Wie ein Grashalm im Wind. Oder eine Meereswelle. Weich und fließend. Nicht wie ein fallender Stein.“
„Ein fallender Stein?“, Milow sah sie fragend an.
„Eine Metapher“, Tricia verdrehte ihre violetten Augen, bevor sie erschrocken herum fuhr. Sie atmete erleichtert aus, als sie Tristan erkannte.
„Tristan!“, rief Eve erleichtert. Er war vor Stunden verschwunden und hatte sie mit seiner Schwester allein gelassen, die anscheinend den Ehrgeiz hatte aus einer ranzigen Reservatsratte einen steifen Storch zu formen.
„Eve?“, er zog lediglich eine Augenbraue hoch, während er aus mehreren Metern Abstand zu ihr herüber sah.
„Was hast du die ganze Zeit gemacht?“, fragte sie neugierig, bevor sie lächelnd näher trat.
„Erstens sollst du nicht lächeln“, mahnte er unfreundlich. „Und zweitens geht es dich nichts an.“

Published in: on April 6, 2010 at 9:43 vormittags  Kommentare (6)  
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