Walk over – Kapitel 2 – Ende

„Ich weiß wie ein GOM aussieht und glaub mir, wenn ich dir sage: Es wird keiner daran zweifeln, dass du einer von ihnen bist“, beschwichtigte Tristan.

„Die werden mich umbringen!“, stöhnte Eve.

„Werden sie nicht. Selbst wenn sie dich scannen, wird der Chip nichts tun als zu bestätigen, dass du einer der zauberhaften GOMs bist“, versicherte Tristan. Sein verstecktes Kompliment schien vollkommen an Eve vorbei gezogen zu sein. Sie tastete instinktiv vorsichtig nach dem Chip in ihrem Genick. Wie ein Tumor zeichnete er sich als feste, verschiebliche Kugel unter der Haut ab. „Also du meinst…“, Eve sah zögerlich zu Tristan hinüber.

„Ich meine, dass sie schon einen Gentest machen müssten.“

Eve sah Tristan noch einen Moment lang nachdenklich an.

„Und du bist dir ganz sicher?“, ihr war nicht wohl bei dem Gedanken sich als etwas auszugeben, was sie nicht war. Andererseits… Was hatte sie zu verlieren? Außer vielleicht ihrem Leben.

Tristan nickte lediglich.

„Aber wie hast du..?“, Eve sah erneut skeptisch auf den funkelnden Armreif.

Tristan zuckte lediglich mit den Schultern.
„Wir sollten jetzt wirklich gehen“, drängte er und deutete Eve aufzustehen.

„Was bist du?“, fragte Eve zweifelnd, während sie vorsichtig aufstand, um nicht erneut den Halt auf den glitschigen Steinen zu verlieren.

„Wenn ich dir sage, dass ich halb GOM und halb Mutant bin“, begann Tristan den Satz, als ihm Eve prompt ins Wort fiel.

„Das ist unmöglich!“, behauptete sie. „GOMs dürfen sich nicht mit anderen Lebewesen außer GOMs paaren. Und schon gar nicht dürfen sich Mutanten mit GOMs paaren! Das ist… wider die Natur!“, ereiferte sich Eve, als ein seltsames Funkeln in Tristans Augen trat.

„Wider die Natur war es die GOMs zu erschaffen! Wider die Natur ist es Mutanten zu jagen und zu töten. Mutation war schon immer der Schlüssel der Evolution. Die GOMs entwickeln sich nicht weiter. Die Menschen entwickeln sich nicht weiter. Die einzigen, die den Mut haben sich weiter zu entwickeln sind die Bots und die Borgs“, Tristan sprach den letzten Satz mehr als verächtlich aus.

„Du meinst die Roboter und Kyborgs?“, hakte Eve zweifelnd nach. Sie beobachtete wie Tristans Gesichtsmuskeln sich anspannten, während er krampfhaft sie Zähne zusammen biss, bevor er schließlich erneut mit den Schultern zuckte.

„Lass uns gehen“, bat er in versöhnlichem Tonfall. „Du wirst alles noch früh genug erfahren.“

„Was alles?“, hakte Eve nach, als sich Tristan zum Gehen wandte.

„All das, was man euch in euren Reservats nicht erzählt.“

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Published in: on September 12, 2009 at 10:16 vormittags  Kommentare (2)  
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Walk over – Kapitel 2 – Teil 2

„Wie hast du? Du kannst doch nicht! Die werden mich umbringen!“, Eve sah verzweifelt auf ihren Arm. Der nunmehr pinkfarbene Armreif schillerte atemberaubend im fahlen Licht, als wollte er sie verspotten.

„Falsch! Sie wollten dich umbringen. Nimm es als Neuanfang, als Chance. Niemand bringt einen GOM um“, versicherte Tristan.

„Aber ich bin kein GOM!“, Eve sah Tristan entsetzt an.

„Von nun an schon“, flötete Tristan leichtfertig.

„Wenn die mich kontrollieren, werden die mich umbringen! Das ist Hochverrat!“, rief Eve panisch. „Die werden mich umbringen. Und dann klonen, nur um mich noch mal umzubringen. Und noch mal!“

„Beruhige dich“, lachte Tristan und griff sanft nach Eves Arm, den sie immer noch hoch hielt, als wollte sie möglichst viel Platz zwischen sich und den Armreif bringen. Behutsam zog er den Ärmelstoff ihres Mantels zurück über den Reif, damit Eve aufhören konnte ihn anzustarren. „Wenn sie dich und deinen Armreif sehen, wird keiner daran zweifeln, dass du ein GOM bist. Die sind viel zu überheblich um an ihrer Identifizierungs-Technik zu zweifeln.“

„Wenn die mich sehen, werden die sich totlachen!“, rief Eve entsetzt.

„Warum sollten sie?“, Tristan zog eine Augenbraue hoch.

„Du weißt was GOM bedeutet?“, hakte Eve nach.

„Gen-optimierter Mensch“, Tristan nickte. Die Begrifflichkeit war ihm offensichtlich nicht völlig fremd.

„GOMs sind groß und schlank und schön und…“, Eve rang nach Worten, die das einzigartige eines GOMs beschreiben konnten. Ihr fielen keine ein, die auch nur annähernd das trafen, was sie vor ihrem geistigen Auge sah.

Published in: on September 8, 2009 at 7:49 nachmittags  Kommentare (6)  
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Walk over – Kapitel 2 – Teil 1

„Eve?“

Eve hörte jemanden ihren Namen rufen. Ganz weit entfernt wie durch Tonnen von Zuckerwatte. Klebriger, süßer Zuckerwatte. Ihr Kopf schmerzte fürchterlich.

Sie atmete tief durch, bevor sie versuchte die Augen zu öffnen. Der seltsame, graue Schleier vor ihren Augen verschwand nur zaghaft und ließ verschwommene Schemen zurück, die vor ihren Augen tanzten.

„Eve?“, fragte die männliche Stimme erneut.

„Aua“, stöhnte Eve, als ihr Bewusstsein langsam zurückkehrte. Ihr Hinterkopf pochte entsetzlich.

„Ja Aua, aber wärst du zehn Zentimeter weiter links gelandet hättest du nun ein Loch im Kopf“, sagte Tristan, demonstrativ auf einen spitzen Stein neben sich blickend. „Was machst du denn für Sachen?“, er kniete sich neben Eve, die mit zusammen gebissenen Zähnen ihren Hinterkopf massierte. „Du blutest nicht, aber eine Beule bekommst du sicherlich.“

„Was ich für Sachen mache?!“, Eve sah Tristan wütend an, während sie sich mühevoll aufsetzte und ein paar ihrer dunkelbraunen Haare aus dem Gesicht strich. „Was zur…?“, Eve brach den Satz ab, als ihr Blick auf ihren Armreif fiel.

„Oh mein…“, Eve starrte ihren Armreif mit offenem Mund an. „Pink?“

Tristan nickte lächelnd.

„Ist mein Armreif Pink?“, Eve schluckte mit offenem Mund, was die Frage nicht unbedingt intelligenter wirken ließ. Zumal die Antwort offensichtlich war…

„Steht dir“, versicherte Tristan eilig.

„Wieso ist mein Amreif Pink?“, Eve streckte demonstrativ ihren Arm in Richtung Tristan. „Pink ist die Farbe der…“

„GOM“, stimmte Tristan gutmütig lächelnd zu.

Published in: on September 8, 2009 at 6:25 nachmittags  Kommentare (2)  
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