Walk over – Kapitel 3 – Teil 3

Eve sah irritiert auf, als es schlagartig ein wenig heller wurde. In Tristans Händen strahlte ein zwanzig Zentimeter langer Stab in gleißendem Weiß.

„Bevor du fragst, es ist eine Lampe“, erwiderte Tristan rasch und hielt ihr den Leuchtstab unter die Nase. Geblendet kniff sie die Augen zusammen.
„Ich weiß schon, was eine Lampe ist“, murrte Eve. „Ich stamme nicht vom Mond!“

„Aber du wirst dir in Kürze so vorkommen“, versicherte Tristan und ging entschlossen voran in die Tiefe.

Eve sah ihm wütend nach. Sie war sich nicht sicher, ob es die richtige Entscheidung gewesen war hierher zu kommen. Andererseits: Welche Wahl hatte sie schon gehabt?

Seufzend tastete sie sich die nächsten Stufen hinab, die gar kein Ende zu nehmen schienen.

 

Eve sah auf, als Tristan stehen blieb. Das helle Licht offenbarte einen schmalen Tunnel. Wasserlachen bedeckten den Boden. Es roch nach nassen Ratten und anderem, das Eves Nase nicht identifizieren konnte oder wollte.

„Wo sind wir?“, hakte sie nach.

„Wir nennen es liebevoll Untergrund“, antwortete Tristan knapp und ging vorsichtig weiter. Eve trat prompt in etwas nasses. Es platschte laut, Wasser spritzte und irgendwo trappelten viele kleine Füße davon.

„Was war das?“, Eve sah panisch in das Halbdunkel des Tunnels.

„Eine Pfütze“, behauptete Tristan trocken. „Siehst du es glitzern? Wenn du trockene Füße behalten möchtest, tritt dort nicht hinein.“

„Nein, ich meine…“, Eves Augen huschten unruhig durch den Gang.

„Eine Untergrundratte. Man gewöhnt sich daran“, behauptete Tristan. „Auch daran, dass sie sechs Beine haben.“

Eve schluckte.

Veröffentlicht in:  on Oktober 27, 2009 at 7:26 pm Hinterlasse einen Kommentar
Tags: , , , ,

Walk over – Kapitel 3 – Teil 2

Nachdem er sich die Hände an der Hose abgewischt hatte, durchsuchte er sorgsam seine Hosentaschen, bevor er eine kleine, gelblich fluoreszierende Kugel hervorzog.

„Nimm die“, bat Tristan und streckte die Hand aus.

Eve griff zögerlich nach der glühenden Kugel. Sie war angenehm warm und glatt.

„Was ist das?“, fragte sie skeptisch.

„Es nennt sich Quantenlicht“, erklärte Tristan. „Es leuchtet im Dunkeln. Je dunkler es wird, desto heller leuchtet es.“

„Und wie funktioniert es?“, Eve sah ihn zweifelnd an.

„Es leuchtet“, antwortete er knapp. „Und nun folge frau mir in den Untergrund.“

Tristan betrat die obere Treppenstufe und deutete Eve an ihm vorbei zu gehen.

Eve sah zweifelnd in das finstere Loch im Boden hinab. Sie konnte gerade noch die ersten zwei Stufen einer ausgetretenen Steintreppe erahnen. Der Rest verschwamm in tiefer Dunkelheit.

„Man gewöhnt sich an die Dunkelheit“, versicherte Tristan, während Eve sich vorsichtig Stufe für Stufe hinab tastete, verzweifelt das Quantenlicht vor sich haltend, um die nächste Treppenstufe erkennen zu können.

Es wurde auch nicht besser, als Tristan mit einem lauten Stöhnen die Metallklappe verschloss, die laut krachend hinter ihnen zu fiel. Kleine Steine und Sand lösten sich von der Decke, knirschten bei jedem Schritt unheilvoll unter der Schuhsohle.

Veröffentlicht in:  on at 7:21 pm Kommentare (2)
Tags: , , ,

Walk over – Kapitel 3 – Teil 1

Eve war pitschnass, als Tristan unvermittelt stehen blieb. Sie waren irgendwo im Nirgendwo, umgeben von verdörrten Gräsern, die traurig auf den mittlerweile matschigen Sandboden hinab hingen. Es war eine hügelige Landschaft, fernab vom Meer, durchzogen von grauen, scharfkantigen Felsen. Eve hatte keine Ahnung wie viele Stunden sie durch die Gegend marschiert waren, aber ihren schmerzenden Füßen zu Folge mussten es einige gewesen sein.

Eve beobachtete wie Tristan sich bückte, mit energischen Bewegungen einige Gräser beiseite schob und mit bloßen Händen Matsch aushob.

„Siehst du die Steine dort?“, fragte Tristan und deutete mit dreckigen Händen auf drei Felsen vor ihnen. „Sie bilden ein Dreieck und zeigen genau hier hin.“

Eve nickte, obwohl Tristan es wohl kaum sehen konnte, während er mit dem Rücken zu ihr stand.

„Und was genau ist hier?“, hakte Eve nach und beugte sich neugierig vor.

Unter dem ganzen Schlamm kam eine halbverrostete Metallklappe zum Vorschein.

„Überall wo du so eine Steinformation siehst befindet sich ein Weg in den Untergrund. Das kann solch eine Klappe sein, eine Felshöhle, eine alte Treppe inmitten von zerfallenen Ruinen. Es gibt viele Wege, die meisten sind gut getarnt. Ich empfehle dir anfangs nicht alleine zu gehen, manche Wege sind recht kompliziert. Und am wichtigsten ist“, belehrte Tristan sie, während er angestrengt versuche seine Finger unter die Metallplatte zu schieben, „dass du dich immer versicherst, dass niemand in der Nähe ist, der dich beobachtet.“ Mit einem Knirschen und Quietschen löste sich die Klappe, die Tristan mühevoll nach hinten kippte.

„Um ehrlich zu sein sieht das nicht so aus, als ob ich das könnte“, gestand Eve entschuldigend lächelnd, während Tristan sich mit dem Handrücken einige Schweißperlen von der Stirn wischte.

„Wie ich sagte“, wiederholte er lächelnd, „du solltest anfangs nicht alleine gehen.“

Veröffentlicht in:  on September 14, 2009 at 6:14 pm Kommentare (2)
Tags: , , ,

Walk over – Kapitel 2 – Ende

„Ich weiß wie ein GOM aussieht und glaub mir, wenn ich dir sage: Es wird keiner daran zweifeln, dass du einer von ihnen bist“, beschwichtigte Tristan.

„Die werden mich umbringen!“, stöhnte Eve.

„Werden sie nicht. Selbst wenn sie dich scannen, wird der Chip nichts tun als zu bestätigen, dass du einer der zauberhaften GOMs bist“, versicherte Tristan. Sein verstecktes Kompliment schien vollkommen an Eve vorbei gezogen zu sein. Sie tastete instinktiv vorsichtig nach dem Chip in ihrem Genick. Wie ein Tumor zeichnete er sich als feste, verschiebliche Kugel unter der Haut ab. „Also du meinst…“, Eve sah zögerlich zu Tristan hinüber.

„Ich meine, dass sie schon einen Gentest machen müssten.“

Eve sah Tristan noch einen Moment lang nachdenklich an.

„Und du bist dir ganz sicher?“, ihr war nicht wohl bei dem Gedanken sich als etwas auszugeben, was sie nicht war. Andererseits… Was hatte sie zu verlieren? Außer vielleicht ihrem Leben.

Tristan nickte lediglich.

„Aber wie hast du..?“, Eve sah erneut skeptisch auf den funkelnden Armreif.

Tristan zuckte lediglich mit den Schultern.
„Wir sollten jetzt wirklich gehen“, drängte er und deutete Eve aufzustehen.

„Was bist du?“, fragte Eve zweifelnd, während sie vorsichtig aufstand, um nicht erneut den Halt auf den glitschigen Steinen zu verlieren.

„Wenn ich dir sage, dass ich halb GOM und halb Mutant bin“, begann Tristan den Satz, als ihm Eve prompt ins Wort fiel.

„Das ist unmöglich!“, behauptete sie. „GOMs dürfen sich nicht mit anderen Lebewesen außer GOMs paaren. Und schon gar nicht dürfen sich Mutanten mit GOMs paaren! Das ist… wider die Natur!“, ereiferte sich Eve, als ein seltsames Funkeln in Tristans Augen trat.

„Wider die Natur war es die GOMs zu erschaffen! Wider die Natur ist es Mutanten zu jagen und zu töten. Mutation war schon immer der Schlüssel der Evolution. Die GOMs entwickeln sich nicht weiter. Die Menschen entwickeln sich nicht weiter. Die einzigen, die den Mut haben sich weiter zu entwickeln sind die Bots und die Borgs“, Tristan sprach den letzten Satz mehr als verächtlich aus.

„Du meinst die Roboter und Kyborgs?“, hakte Eve zweifelnd nach. Sie beobachtete wie Tristans Gesichtsmuskeln sich anspannten, während er krampfhaft sie Zähne zusammen biss, bevor er schließlich erneut mit den Schultern zuckte.

„Lass uns gehen“, bat er in versöhnlichem Tonfall. „Du wirst alles noch früh genug erfahren.“

„Was alles?“, hakte Eve nach, als sich Tristan zum Gehen wandte.

„All das, was man euch in euren Reservats nicht erzählt.“

Download Kapitel2 – komplett

Veröffentlicht in:  on September 12, 2009 at 10:16 am Kommentare (2)
Tags: , , , ,

Walk over – Kapitel 2 – Teil 2

„Wie hast du? Du kannst doch nicht! Die werden mich umbringen!“, Eve sah verzweifelt auf ihren Arm. Der nunmehr pinkfarbene Armreif schillerte atemberaubend im fahlen Licht, als wollte er sie verspotten.

„Falsch! Sie wollten dich umbringen. Nimm es als Neuanfang, als Chance. Niemand bringt einen GOM um“, versicherte Tristan.

„Aber ich bin kein GOM!“, Eve sah Tristan entsetzt an.

„Von nun an schon“, flötete Tristan leichtfertig.

„Wenn die mich kontrollieren, werden die mich umbringen! Das ist Hochverrat!“, rief Eve panisch. „Die werden mich umbringen. Und dann klonen, nur um mich noch mal umzubringen. Und noch mal!“

„Beruhige dich“, lachte Tristan und griff sanft nach Eves Arm, den sie immer noch hoch hielt, als wollte sie möglichst viel Platz zwischen sich und den Armreif bringen. Behutsam zog er den Ärmelstoff ihres Mantels zurück über den Reif, damit Eve aufhören konnte ihn anzustarren. „Wenn sie dich und deinen Armreif sehen, wird keiner daran zweifeln, dass du ein GOM bist. Die sind viel zu überheblich um an ihrer Identifizierungs-Technik zu zweifeln.“

„Wenn die mich sehen, werden die sich totlachen!“, rief Eve entsetzt.

„Warum sollten sie?“, Tristan zog eine Augenbraue hoch.

„Du weißt was GOM bedeutet?“, hakte Eve nach.

„Gen-optimierter Mensch“, Tristan nickte. Die Begrifflichkeit war ihm offensichtlich nicht völlig fremd.

„GOMs sind groß und schlank und schön und…“, Eve rang nach Worten, die das einzigartige eines GOMs beschreiben konnten. Ihr fielen keine ein, die auch nur annähernd das trafen, was sie vor ihrem geistigen Auge sah.

Veröffentlicht in:  on September 8, 2009 at 7:49 pm Kommentare (6)
Tags: , , , ,

Walk over – Kapitel 2 – Teil 1

„Eve?“

Eve hörte jemanden ihren Namen rufen. Ganz weit entfernt wie durch Tonnen von Zuckerwatte. Klebriger, süßer Zuckerwatte. Ihr Kopf schmerzte fürchterlich.

Sie atmete tief durch, bevor sie versuchte die Augen zu öffnen. Der seltsame, graue Schleier vor ihren Augen verschwand nur zaghaft und ließ verschwommene Schemen zurück, die vor ihren Augen tanzten.

„Eve?“, fragte die männliche Stimme erneut.

„Aua“, stöhnte Eve, als ihr Bewusstsein langsam zurückkehrte. Ihr Hinterkopf pochte entsetzlich.

„Ja Aua, aber wärst du zehn Zentimeter weiter links gelandet hättest du nun ein Loch im Kopf“, sagte Tristan, demonstrativ auf einen spitzen Stein neben sich blickend. „Was machst du denn für Sachen?“, er kniete sich neben Eve, die mit zusammen gebissenen Zähnen ihren Hinterkopf massierte. „Du blutest nicht, aber eine Beule bekommst du sicherlich.“

„Was ich für Sachen mache?!“, Eve sah Tristan wütend an, während sie sich mühevoll aufsetzte und ein paar ihrer dunkelbraunen Haare aus dem Gesicht strich. „Was zur…?“, Eve brach den Satz ab, als ihr Blick auf ihren Armreif fiel.

„Oh mein…“, Eve starrte ihren Armreif mit offenem Mund an. „Pink?“

Tristan nickte lächelnd.

„Ist mein Armreif Pink?“, Eve schluckte mit offenem Mund, was die Frage nicht unbedingt intelligenter wirken ließ. Zumal die Antwort offensichtlich war…

„Steht dir“, versicherte Tristan eilig.

„Wieso ist mein Amreif Pink?“, Eve streckte demonstrativ ihren Arm in Richtung Tristan. „Pink ist die Farbe der…“

„GOM“, stimmte Tristan gutmütig lächelnd zu.

Veröffentlicht in:  on at 6:25 pm Kommentare (2)
Tags: , , , ,

Walk over – Kapitel 1 – Ende

„Keine Angst“, flüsterte Tristan, während er vorsichtig ihre Hand in seine linke nahm, bevor er seine rechte Hand auf ihr Genick legte. „Nun schließe die Augen.“

„Ich hab aber Angst“, flüsterte Eve, die das leise Gefühl beschlich keine Kontrolle mehr über ihren eigenen Körper zu haben. Eine kalte Träne der Verzweiflung floss ihre Wange hinunter, als sie die Augen schloss. Sie konnte sich nicht mehr bewegen.

„Von nun an, bist du ein GOM“, sagte Tristan entschlossen.

„Was?!“, Eve sah erschrocken auf, als ein eiskalter Schmerz ihren Rücken hinunter schoss. Ihre Hand war taub. Purpurne Punkte tanzten vor ihren Augen auf und ab, bevor sich ein Schleier zwischen sie und die Welt schob. Ihr war schwindelig.

Bevor sie wusste wie ihr geschah verlor sie auf den glitschigen Steinen den Halt. Ein heftiger Schmerz fuhr durch ihren Kopf, bevor sich alles um sie herum in tiefe Dunkelheit hüllte.

Download Kapitel1 – komplett

Veröffentlicht in:  on at 6:17 pm Kommentare (2)
Tags: , , , ,

Walk over – Kapitel 1 – Teil 5

Eve öffnete den Mund und klappte ihn gleich wieder zu, als ihr keine passende Antwort einfiel. Er hatte einfach gar keine Ahnung! Aber was sollte man schon von jemandem erwarten, der nicht einmal ein Armband trug?

„Wenn ich dich schon sprachlos mache, dann warte bis du Milow triffst“, schlug Tristan vor.

„Ihr seid Gesetzlose!“, rief Eve empört. Noch mehr Menschen ohne Armbänder? Das war wie eine Freakshow!

„Und du bist tot“, entgegnete Tristan emotionslos.

„Ich…“, Eve zögerte. Wenn sie ehrlich war, hatte er sogar Recht. Es war Fakt, dass sie von Wächtern verfolgt wurde. Und genauso bekannt war auch, dass noch nie jemand die Begegnung mit einem solchen überlebt hatte.

„Du hast Recht“, gestand sie schließlich kleinlaut.

„Danke. Womit genau?“, hakte Tristan nach.

„Zuallererst: Ich heiße nicht Elsa. Mein Name ist Eve. Ich bin ein Menschenmädchen aus Reservat x37i, aus dem in letzter Zeit immer mehr Menschen verschwanden. Wir wissen nicht wohin, wie oder gar wieso. Man wacht eines morgens auf und die eigenen Eltern sind fort. Einfach so. All ihre Sachen sind noch da. Sie hinterlegen nicht einmal eine Nachricht und lassen scheinbar alles stehen und liegen. Ich, ein paar meiner Freunde und einige Fremde, wir beschlossen zu fliehen. Viele starben noch hinter den Grenzen des Reservats. Sie verstrickten sich heillos im Stacheldraht, traten auf Minen, fielen in unsichtbare Schächte, wurden von den Wachrobotern erschossen. Es war schrecklich. Nur ich und ein paar weitere schafften es irgendwie aus der Sicherheitszone. Sicherheitszone“, Eve lachte bitter. „Man erzählte uns sie wäre da, um zu verhindern, dass jemand eindringt. In Wahrheit sollen wir bloß nicht heraus kommen“, Eve biss sich auf die Unterlippe.

„Wo sind die Anderen, Eve?“, hakte Tristan nach.

Eve zuckte mit den Schultern. „Ich habe sie aus den Augen verloren. Eines dieser fliegenden Metallaugen war uns auf den Fersen. Irgendwer schrie, sie würden die Wachroboter zu uns führen. Wir sollten uns trennen. Ich bin einfach geradeaus gerannt bis ich nicht mehr konnte. Und dann kam ich ans Meer.“

„Danke. Das war sehr tapfer von dir, Eve“, sagte Tristan mit ruhiger Stimme und sah ihr tief in die Augen. „Nun gib mir deine rechte Hand“, bat Tristan, während er einen Schritt näher trat.

Eve blinzelte verwundert, als sie zu ihm auf sah. Hatte sie ihm eben wirklich die Wahrheit gesagt? Und wieso streckte sie ihm gerade die rechte Hand aus? Sie konnte sich nicht daran erinnern ihr den Befehl dazu gegeben zu haben!

Veröffentlicht in:  on at 5:55 pm Kommentare (2)
Tags: , , ,

Walk over – Kapitel 1 – Teil 4

„Diese Reaktion ist immer wieder erstaunlich“, seufzte Tristan, während er seinen Ärmeln wieder herunter zog und sorgfältig zurecht zupfte. „Als ob ich total entstellt wäre“, Tristan schüttelte bedauernd den Kopf.

„Du trägst keinen Armreif!“, rief Eve entsetzt, als sie sich wieder halbwegs gefasst hatte. Sicherheitshalber trat sie noch einen Schritt zurück.

„Du schaust als hätte ich keinen Arm“, Tristan sah die beleidigt an.

„Wie kannst du..? Ich meine… Jeder hat einen Armreif!“, Eve starrte auf Tristans Arm als könnte sie durch den Hemdärmel den nicht vorhandenen Armreif sehen.

„Ein Reservatskind“, seufzte Tristan und fuhr sich lässig durch die Haare, während er immer noch den Kopf schüttelte.

„Was bist du?!“, Eve starrte Tristan ungläubig an. Es war allgemein bekannt, dass jedes Lebewesen gleich nach der Geburt einen seiner Rasse entsprechenden Armreif enthielt und gechipt wurde.

„Ein Mensch?“, fragte Tristan zweifelnd.

„Du bist kein Mensch!“, Eve deutete mit zittrigen Fingern auf Tristan. „Du…“, ihr fehlten schlichtweg die Worte. Es war als wäre jemand ohne Nase auf die Welt gekommen. Oder eher einem noch ganz anderen wichtigen Körperteil, das zur eindeutigen Identifizierung diente. So wie ein Fingerabdruck! So war es!

Tristan seufzte erneut.

„Vielleicht hast du sogar Recht. Vielleicht bin ich gar kein Mensch“, er schien einen Moment zu überlegen, sich dann aber zu besinnen. „Was hältst du davon, wenn ich dir das Leben rette, du mich begleitest und ich dir eine Welt zeige, in der es Wesen gibt, die keine Armbänder tragen?“

„Es gibt keine Menschen ohne Armbänder!“, rief Eve hysterisch. „Es sollte sie nicht geben! Das ist falsch!“

„Es ist also in Ordnung Menschen in Schubladen zu stecken?“, Tristan sah sie zweifelnd an.

„Wir stecken Menschen nicht in Schubladen! Menschen stecken in einer Schublade!“, korrigierte Eve empört.

„Ja, in der untersten“, stimmte Tristan bitter zu.

Veröffentlicht in:  on September 7, 2009 at 8:18 pm Kommentare (5)
Tags: , , , ,

Walk over – Kapitel 1 – Teil 3

„Was wollen Sie von mir?“, fragte Eve zweifelnd, als der Fremde immer noch keine Anstalten machte sie zu töten.

„Eigentlich dachte ich wir reden kurz miteinander, du verrätst mir deinen Namen und für den Fall, dass du nett bist, nehme ich dich mit“, schlug er ohne zu Zögern vor. „Bevor du nun auf dumme Gedanken kommst ergänze ich lieber, dass du damit die einzigartige Gelegenheit hättest dich uns anzuschließen.“

„Mich wem anschließen?“, fragte Eve sich zweifelnd umsehend. Es schien niemand sonst hier zu sein.

„Hör zu“, jegliches Lächeln verschwand aus Tristans Gesicht. „Die Zeit läuft uns augenblicklich davon. Das Unwetter naht und Wachen streifen durch das Land auf der Suche nach einer Hand voll Menschen, die aus dem Reservat x37i entkommen sind. Du weißt hoffentlich was mit Menschen passiert, die aus einem Reservat fliehen?“, Tristan musterte sie skeptisch. Eve nickte zögerlich. Sie wusste es nur zu gut.

„Gut, also falls dir irgendwas an deinem Leben liegt, solltest du mit mir kommen“, forderte Tristan.

„Woher weiß ich..?“, Eve sah den Fremden unsicher an.

„Ob du mir trauen kannst?“, hakte er nach. Entschieden schob er seinen rechten Hemdärmel bis zum Ellenbogen hoch.

„Oh heilige GOM!“, Eve wich erschrocken zurück, das Spritzwasser ignorierend, mit dem sich ihre Hose vollsog. So etwas abnormales hatte sie noch nie gesehen!

Veröffentlicht in:  on at 8:01 pm Kommentare (2)
Tags: , , ,