Eve sah irritiert auf, als es schlagartig ein wenig heller wurde. In Tristans Händen strahlte ein zwanzig Zentimeter langer Stab in gleißendem Weiß.
„Bevor du fragst, es ist eine Lampe“, erwiderte Tristan rasch und hielt ihr den Leuchtstab unter die Nase. Geblendet kniff sie die Augen zusammen.
„Ich weiß schon, was eine Lampe ist“, murrte Eve. „Ich stamme nicht vom Mond!“
„Aber du wirst dir in Kürze so vorkommen“, versicherte Tristan und ging entschlossen voran in die Tiefe.
Eve sah ihm wütend nach. Sie war sich nicht sicher, ob es die richtige Entscheidung gewesen war hierher zu kommen. Andererseits: Welche Wahl hatte sie schon gehabt?
Seufzend tastete sie sich die nächsten Stufen hinab, die gar kein Ende zu nehmen schienen.
Eve sah auf, als Tristan stehen blieb. Das helle Licht offenbarte einen schmalen Tunnel. Wasserlachen bedeckten den Boden. Es roch nach nassen Ratten und anderem, das Eves Nase nicht identifizieren konnte oder wollte.
„Wo sind wir?“, hakte sie nach.
„Wir nennen es liebevoll Untergrund“, antwortete Tristan knapp und ging vorsichtig weiter. Eve trat prompt in etwas nasses. Es platschte laut, Wasser spritzte und irgendwo trappelten viele kleine Füße davon.
„Was war das?“, Eve sah panisch in das Halbdunkel des Tunnels.
„Eine Pfütze“, behauptete Tristan trocken. „Siehst du es glitzern? Wenn du trockene Füße behalten möchtest, tritt dort nicht hinein.“
„Nein, ich meine…“, Eves Augen huschten unruhig durch den Gang.
„Eine Untergrundratte. Man gewöhnt sich daran“, behauptete Tristan. „Auch daran, dass sie sechs Beine haben.“
Eve schluckte.